Mehr Menschen für Museen begeistern – nur wie?

Anfang 2021 startete Ivana Scharf die Gesprächsreihe “Museum öffne dich” auf Clubhouse. Mit verschiedenen Gästen und den Teilnehmer*innen sprechen wir über Strategien, die Museen anwenden, um für mehr Menschen relevant zu werden.

Wir sind Sonja Thiel, die Gespräche rund um das Thema Digatlisierung gestaltet, Dr. Markus Speidel, der sich ab Juni dem Themenfeld Nachhaltigkeit widmet und Ivana Scharf organisiert Gespräche rund um das Thema Diversität. Wir freuen uns auf viele gute Gespräche.

Bisherige Themen und Gesprächspartner:innen waren: Outreach, Co-Kuration, Digitale Kultur, Diversity, Architektur, Digitale Strategien, Sprache, AI für Museen, Organisationskultur, Hackathons, Frauen, Nachhaltigkeit und Ökologie, Ausstellungsdesign, DigAMus Award, Nachhaltigkeit und Zertifizierung und Gaming.

Museum öffne dich #1 Outreach

Outreach ist eine der effektivsten Strategien, um Teams in Museen für die verschiedenen Bedürfnisse einer diversen Stadtgesellschaft zu sensibilisieren. Wirkungsvoll ist Outreach vor allem als integraler Bestandteil der Organisationskultur. Dann werden alle mitgedacht, vor allem jene, die ansonsten in Museen fehlen. Multiperspektivität ist verinnerlicht, Geschichten werden für alle verständlich erzählt, das Museum ist in der Stadtgesellschaft vernetzt. Wie das gelingt? Mit einem Team, das weiß: Diversität ist schön, macht aber viel Arbeit.

Museum öffne dich #2 Co-Kuration

Co-Kuration bedeutet in erster Linie aktiver Beziehungsaufbau und Vertrauen schaffen durch Netzwerkpflege. Das Co-Kuratieren mit Menschen außerhalb der typischen Museumsbubble öffnet neue Perspektiven und verändert die Art und Weise wie Ausstellungen entwickelt und präsentiert werden. Gemeinsam das Museum der Zukunft gestalten, wie geht das? Nextmuseum bietet eine Experimentierplattform dafür.

Museum öffne dich #3 Digitale Kultur

Ein weites Feld mit enormen Gesprächsbedarf. Von der Frage nach dem Wertewandel innerhalb der Organisation durch Digitale Kultur sowie Veränderungen durch neue Technologien kamen wir auch auf die “Open-Bewegung” zu sprechen. Einen großen Schwerpunkt machte die Diskussion über den Lernbedarf in den Organisationen aus. Wünschenswert wäre für Digital Literacy zu sensibilisieren und diese in den Häusern zu stärken.

Museum öffne dich #4 Diversity

Es besteht ein großer Wunsch nach Vertiefung. Wichtig wäre ein Austausch über und eine Sensibilisierung für Intersektionalitäten auf allen (Hierarchie)Ebenen: zwischen Menschen, die von Diskriminierungen betroffen sind mit Priveligierten Machthalter*innen, zwischen den von Diskriminierung betroffenenen untereinander in einem geschützen Raum und zwischen den von “sichtbarer” Diskriminierung betroffenen in einem geschützen Raum.

Museum öffne dich #5 Architektur

Was in Bezug auf den Wunsch “Museum öffne dich” klar geworden ist, ist die Bedeutung des Raumes vor dem Museum. Die Architektur und der Platz können Macht und damit Distanz ausstrahlen und einschüchtern. Möglich ist aber auch einen demokratische Ort zu schaffen. Ein Open-Space mit Verweilqualität. Vom Platz da! Team haben gemeinsam teilgenommen: Stefanie Wiens und Patricia Carl. Vom Atelier Brückner waren Claudia Luxbacher und René Walkenhorst dabei.

Museum öffne dich #6 Digitale Strategien

Wie sind Digitale Stratgien aufgebaut? Wie sind sie in der Organisationskultur verankert? Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte? Der Fokus der Digitale Strategien hat sich mit der Pandemie entwickelt und verändert und eine neue Schwerpunktsetzung notwendig gemacht. Digitale Strategien betreffen nicht nur Fragen der User Experience oder der digitalen (Nicht-)Besucher:innen, sondern auch die digitale Infrastruktur für die Zusammenarbeit im Team. Der kurze Blick in die Zukunft des Digitalen Sammelns hat uns kurz innehalten lassen.

Museum öffne dich #7 Sprache

Die beiden Museumsmacherinnen berichteten aus ihrer Praxis und den ersten Berührungspunkten mit einfacher und leichter Sprache. Auch die Schwierigkeiten bei der Einführung in ihren Häusern wurde thematisiert. Heute wird dieses Thema als Führungsaufgabe verstanden und die erforderlichen Veränderungen in den Abläufen können umgesetzt und die finanziellen Mittel dafür bereitgestellt werden. Beide betonten die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit Übersetzer:innen. Die eingehende Beschäftigung der Mitarbeiter:innen mit einfacher und leichter Sprache und auch mit Gebärdensprache fördert einen diversitätssensiblen im Umgang mit Sprache allgemein. Der Blick öffnet sich für deren inkludierende und exkludierende und auch verletzende Funktion.

Museum öffne dich #8 AI für Museen

Artificial Intelligence (AI) oder auch Künstliche Intelligenz (KI) eröffnet für Museen unzählige Möglichkeiten neue Zugänge zu ihren Sammlungen zu schaffen. Wie digitalisiert man über 600.000 Sammlungsobjekte mit Hilfe von AI? Mit welchem Ziel und für wen? Darüber sprachen wir und über die Frage, wo AI in Museen darüberhinaus bedeutsam ist. Dabei ging es um Kunstwerke die mit AI geschaffen wurden, AI zur Vermittlung von Werken, AI in der Besucherevaluation, zum Beispiel um Besucherströme zu analysieren. Aber auch ganz grundsätzlich darum, wie Museen AI veranschaulichen und einen Dialog zwischen Angst und Fortschrittsglaube in der Gesellschaft anregen können.

Museum öffne dich #9 Organisationskultur

Letztlich bildet die Organisationskultur die Grundlage, den Boden auf dem die verschiedenen Öffnungsstrategien überhaupt erst wachsen können. Thema war unter anderem die Zusammensetzung und Struktur von Aufsichtsgremien und deren Wirkung auf die Organisationskultur. Mit den beiden Museumsleiterinnen waren zwei Museen mit sehr unterschiedliche Organisationsformen vertreten: Das LWL-Museum für Archäologie in Herne und das Europäische Hansemuseum in Lübeck. Wir haben erfahren inwiefern sich diese auf die Kultur des Mitainanders auswirkt. Wie schafft man einen Raum für Eigenverantwortung? Wie gelingt es das gesamte Team zu motivieren? Wie wirkt es in der Außensicht, wenn die Museumsleitung Macht abgibt? Sehr wertvoll waren die praxisnahmen Einblicke in die agile Arbeitsweise der beiden Häuser.

Museum öffne dich #10 Hackathons

Inwiefern Hackathons ein spannendes Beteiligungsformat für Museen darstellt, haben wir mit Franziska Mucha, die zu Hackathons forscht, Dr. Martin Lätzel, Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, die im Frühjahr 2021 den Kulturhackathon Coding da Vinci durchführt und Johannes Toedte, der uns Einblicke in den bisher größten Hackathon Deutschlands #WirVsVirus gab. Mit Hackathons können Museen einen digitalen, co-kreativen Raum schaffen, der Schwarmintelligenz aktiviert, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Die Sammlungsdaten offen zur Verfügung zu stellen und ein Stück weit die Kontrolle darüber abzugeben bedeutet für Museen oft den Beginn eines Kulturwandelprozesses. Wichtig ist die richtigen Rahmenbedingungen für diesen gemeinsamen Gestaltungsprozess zu schaffen, um Beteiligung zu fördern, Menschen in Kontakt zu bringen und vor allem Hacker*innen zu gewinnen.

Museum öffne dich #11 Frauen

Aus unterschiedlichen Perspektiven haben wir uns mit Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin Jüdisches Museum Frankfurt, Jennifer López Ayala, Künstlerin, Christina Ludwig, Direktorin Stadtmuseum Dresden, Prof. Dr. Elena Zanichelli, Universität Bremen, Mariann-Steegmann-Institut dem Thema Frauen im Museum zugewendet. Es ging um die Frage wie Frauen in Führungspositionen sich stärken und wie der Nachwuchs gefördert werden kann. Aber auch darum wie Frauen im Museumsprogramm sichtbar werden und welche Erzählungen dominieren. Wie erleben junge Künstler*innen die Museumswelt? Wie können karrierefördernde Seilschaften von Frauen aussehen? Welche Formen der Vernetzung wären sinnvoll? Weshalb sind so wenig Frauen in Tech-Bereichen auch in Museen? Fragen zur Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Rollenverständnisse dominierten unser Gespräch trotz aller Errungenschaften der Frauen in den letzten 100 Jahren. Schnell wurde deutlich, dass dies nicht das letzte Gespräch zum Thema war.

Museum öffne dich #12 Nachhaltigkeit & Ökologie

Heute hatte Markus Speidel seine Premiere als Gastgeber zu einem Thema, das ihn im Museum der Alltagskultur selbst beschäftigt. Mit Stefanie Dowidat, Sprecherin der AG Nachhaltiges Ausstellen beim Deutschen Museumsbund und Dr. Annett Baumast, Gründerin von baumast. kultur & nachhaltigkeit sprachen wir über den Paradigmenwechsel, der Nachhaltigkeit seit einigen Jahren in den Museen zu einer Aufgabe gemacht hat, die von vielen Seiten her angegangen wird. Oftmals, so die Wahrnehmung der Expertinnen, geht der Veränderungsimpuls von den Mitarbeiter*innen aus, die mit viel Überzeugungskraft und Kreativität kleinere und größere Maßnahmen für Nachhaltigkeit, verstanden im Sinne der 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, in den Organisationen umsetzen. Von Beschaffungsprozessen über Ausstellungsdesign, Konservierungsvorgaben bis zum Gebäudemanagment, geht es in der Auseinandersetzung manches Mal um die Kernfragen der Institution Museum.

Museum öffne dich #13 Ausstellungsdesign

Sozio-Design beschreibt ein Designverständnis bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht und zur Mitgestaltung eingeladen ist. Dafür werden im Sozio-Design kollaborative Arbeitsformen erprobt und angewendet. Darüber sprachen wir mit Sonja Enz, Projektleiterin Recherche und Konzeption im Stapferhaus, das Geschichten aus unserer Gegenwart sammelt und aktuelle Themen einfühlsam, spielerisch, unterhaltsam, erlebnisreich und nachdenklich erzählt. Gesammelt wird aus unterschiedlichsten Perspektiven mit einer Grundhaltung des Nicht-Wissen. Die Neugierde und das Spielerische spiegeln sich auch im Ausstellungsdesign wider. Prof. Karl Stocker, Leiter des Instituts für Design & Kommunikation an der FH Johanneum gab Einblicke in seine langjährige Ausstellungspraxis und persönliche Beispiele dafür, wie wichtig es ist die Haltung des oder der allwissenden Kurators oder Kuratorin aufzugeben. Inhalte und Design sollten so zusammengedacht werden, dass die breite Bevölkerung sich angesprochen fühlt. Er appelliert politischer Einflussnahme Grenzen zu setzen, politische Inhalte zu thematisieren und gesellschaftsverändernd zu wirken. Kurz: Mehr Mut zum Experiment und zum Risiko.

Museum öffne dich #14 DigAMus Award

Der DigAMus Award ist ein ehrenamtlich ins Leben gerufener Preis, der in einer Twitter Community rund um digitale Angebote in Museen entstanden ist. Sogar der Name beruht auf einem in der Crowd vereinbarten Hashtag. Die Leidenschaft für den Preis, der dieses Jahr zum zweiten Mal verliehen wird, war bei den Gesprächspartner*innen spürpar. Wir sprachen mit Katharina Bock, im Team DigAMus Award über die nächste Ausschreibung und wichtige neue Kategorien. Damian Mallepree und Frank Dürr gaben Einblicke in in die von ihnen eingereichten und ausgezeichneten Projekte goethemoma und Dental | Things – eine zahnmedizinische Online-Ausstellung des Museums der Universität Tübingen. Betont wurde die Wichtigkeit eines Sonderpreis für Projekte mit geringem Budget, damit der Fokus nicht immer auf große Museen gerichtet ist. Dr. Doreen Mölders, Leiterin des LWL-Museum für Archäologie in Herne blickte aus ihrer Rolle als Jurymitglied auf den Preis und seine Bedeutung mehr Wertschätzung für die professionelle Umsetzung digitaler Angebote zu schaffen. Conrad Mücke, Kulturstiftung der Länder gab Einblicke in die Förderlandschaft.

Museum öffne dich #15 Nachhaltigkeit – Zertifizierung

Bettina Leidl, Direktorin Kunsthaus Wien und ICOM Österreich-Präsidentin, erzählte uns wie das Österreichische Umweltzeichen von Hundertwasser gestaltet wurde und so die Idee aufkam, das Zeichen wieder in das Museum zu holen. So wurde 2018 das Kunsthaus Wien das erste nach den Kriterien des Umweltzeichen ausgezeichnete “Grüne Museum”. Da es keine Kriterien für Museen innerhalb des Umweltzeichens gab, wurden diese von ICOM Österreich initiiert mit verschiedenen Museen entwickelt. Lange Zeit bestand kein Interesse an der Auszeichnung, erst mit dem Greta-Effekt hat sich die Diskussion ausgeweitet. Zwischenzeitlich sind weitere Museen azertifiziert. Wie der Stand in Deutschland ist, erfuhren wir von Nachhaltigkeitsexperte Markus Herget, der bis 2019 als Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) wirkte. Die DGNB hat 40 messbare Kriterien entwickelt, um Nachhaltigkeit zu messen und Kriterien für verschiedenen Gebäudetypen definiert. Mittlerweile wurden in über 20 Ländern über 10.000 Gebäude zertifiziert. Allerdings fehlen in Deutschland spezifische Kriterien für Museen, wie sie in Österreich entwickelt wurden. Welches Museum wird Deutschlands erstes “Grünes Museum”?

Museum öffne dich #16 – Gaming

„Spacewar!“, das erste Computerspiel, feiert dieses Jahr 60. Geburtstag. In der Erwartung, dass Gaming zwischenzeitlich in den Museen angekommen ist, stellten wir das Gegenteil fest. Nur sehr wenige Beispiele sind auffindbar. Umso intensiver war der Austausch an diesem Abend über drei Spiele Neuentwicklungen. Wie sieht es aus mit Gaming in der Museumslandschaft? Wie kommen Gaming und Museum zusammen? Darüber sprachen wir mit: Museums- und Gameexpertin Tanja-Aminata Bah, Anna Riethus, Projektleiterin im Forschungsprojekt NMsee für ein inklusives Mobile Game für das Neanderthal Museum, mit Christian Schmidt, CCO Interlutions GmbH, der uns Ricardas Geheimnis, das neue Spiel im Wallraff-Richartz-Museum vorstellte und von Dr. Christian Stein Co-Head & Co-Founder game.lab.berlin und Johannes Bernhardt, Digitalmanager am Badischen Landesmuseum erfuhren wir unter anderem etwas über Ping! die Museumsapp, mit der ihr Objekte “daten” könnt. Wir waren alle der Überzeugung, Museum kann in vielerlei Hinsicht durch Gaming und von Gaming-Kultur lernen. Wenn Museen Entfaltungsräume für Gamer*innen gestalten profitieren alle. Und so gab es am Ende noch einige Tipps:
– Mehr Experimente mit Spielen im Museum!
– Spiel als Spiel ernst nehmen!
– Capacity Building im Museum!
– Traut euch etwas Neues auszuprobieren!
– Fail often, Fail early!
Den Design Thinkern und Prototypern dürfte das bekannt vorkommen.

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