Bye, bye atelier für gesellschaftsgestaltung (2010 – 2021)

Lange Jahre hat mich mein atelier für gesellschaftsgestaltung begleitet und ich habe großartige Erfahrungen machen können. Es entstand, da ich in jeder Stadt, in der ich lebte, einen Atelierraum hatte.

Mein Lieblingsatelier in Düsseldorf mit meinen Lieblingsbildern, den Drop Paintings, meine feministische Antwort auf Pollocks Drip Paintings. Vorne im Bild der Zitronenfalter.

In Düsseldorf habe ich es mir mit Künstler:innen der Düsseldorfer Kunstakademie geteilt, in Berlin konnte ich mir sogar ein eigenes leisten und als es nach Hamburg ging, stellte ich fest, dass das nicht mehr die Form von Atelier war, die ich wollte: Im stillen Kämmerlein an meinen Bildern malen, um diese hin und wieder einigen Menschen zu zeigen und zu verkaufen.

Mein Abschiedsfoto mit Michael W. Blumenthal, Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin im Bucerius Kunstforum in Hamburg, 2010

Ich wollte eine Kunst, die Gesellschaft gestaltet, im positiven Sinne formt, in Anlehnung an den durch Joseph Beuys geprägten Begriff der sozialen Plastik. So entstand mein atelier für gesellschaftsgestaltung. Es entstand auch, weil die Zeit im Jüdischen Museum Berlin – und damit mein Traum für ein Museum zu arbeiten – unfreiwillig zu Ende gegangen war.

Geburtstagsfrühstück im betahaus Hamburg 2011

Gerne erinnere ich mich an die Anfänge – zuerst im Betahaus – und dann in meinem Büro, in der Bürogemeinschaft auf dem Mediadeck am Rödingsmarkt 14, über den Dächern Hamburgs. Von hier aus wollte ich die Welt ein kleines Stück besser machen. Hier startete meine “Kunst ist scharf” Reihe mit unzähligen Veranstaltungen, die ich konzipierte und organisierte, von der Baustellenführung in der Elbphilharmonie, zu Atelier- und Museumsbesuchen, Konzerten, Theater in der Bar. Von hier aus sah ich sogar die Elphi entstehen. Hier waren und sind so viele großartige kreative Leute, viele “von damals” sind sogar noch auf dem Mediadeck, wie ich gerade gesehen habe.

Kunst ist scharf, Baustellenführung durch die Elbphilharmonie 2011

Teams vom NDR und auch vom Hamburger Abendblatt waren häufiger vor Ort, um von meinen Initiativen zu berichten. Der Auftakt von Geschichtomat, das atelier2go oder museuminmotion. Für diese erste Crowdfunding Aktion für Kulturelle Bildung, musste damals eigens die Kategorie „Kulturelle Bildung“ angelegt werden. Ich erinnere mich noch gut an das Telefonat mit Startnext.

Das erste atelier2go im Jahr 2012. Die Generationen durch die künstlerische Arbeit mit Ateliers in Seniorenheimen zu verbinden hat mich sehr erfüllt. Auf Dauer ist es mir schwer gefallen zu erleben, wenn während oder nach einer Projektwoche ältere Bewohner:innen plötzlich nicht mehr da waren.

Nach der Einladung zum Runden Tisch, an dem viel darüber geredet wurde, wie Hamburg mit seinem Jüdischen Kulturellen Erbe umgehen sollte, könnte ich auch einen Vortrag über Habitus im Kulturbetrieb halten. Damals noch von der Senatorin Karin von Welck ins Leben gerufen, später dann von Barbara Kisseler wieder aus der Schublade geholt. Eine Politikerin, die ich sehr geschätzt habe und die leider viel zu früh verstorben ist. Immerhin, am Rande des Runden Tisches, habe ich zusammen mit Dr. Andreas Brämer vom Institut für die Geschichte der Deutschen Juden Geschichtomat auf den Weg gebracht.

Nach zwei Jahren Arbeit am Konzept und an der Finanzierung war es 2013 endlich so weit: Abschlussveranstaltung der ersten Geschichtomat Modellprojektwoche an der Franz von Assisi Stadtteilschule in Hamburg Barmbek.

In der Zeit entstanden weitere Konzepte, wie zum Beispiel das der museobilbox und in einem Kraftakt neben einem mehr-als-Vollzeit Führungsjob in kleinen Schritten das Buch „Museen und Outreach. Outreach als strategisches Diversity Instrument“. Später dann in diesem Zusammenhang viele Vorträge und Beratungen.

Ein Buch dessen Geschichte 2006 begann, genauer genommen schon an meinem 10. Geburtstag. Unsere Buchvorstellung bei Urban Nation dann 2018. Von rechts nach links: Yara Hackstein, Ivana Scharf, Julia Heisig, Dagmar Wunderlich und Dr. Hans-Michael Brey, Vorstandsvorsitzender Stiftung Berliner Leben.

Nach nunmehr 12 Jahren wandert das atelier für gesellschaftsgestaltung ins Archiv und macht Platz für etwas Neues. Letztes Jahr habe ich zusammen mit meinem Partner, Mann und bestem Freund create encounter als Gesellschaft für transformative Begegnungen gegründet. Unsere erste Initiative ist museumhub – Lernplattform für Museumspionier:innen und dann schauen wir wie die Reise weitergeht. Gerade bauen wir die Büros in Berlin und Wien auf. Allen Wegbegleiter:innen aus meiner atelier für gesellschaftsgestaltung Zeit möchte ich heute herzlich Dankeschön sagen. Es sind so viele und ich versuche gerade all die Namen zusammenzutragen. So wie ich gerade auch versuche einige Zahlen zu ermitteln zu geschaffenen Arbeitsplätzen im Kulturbereich, Projekten, Veranstaltungen und den ungefähren eingeworbenen zweistelligen Millionebetrag.

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