Kultur digital – grenzenlos und frei zugänglich

In Vorbereitung meines Workshops zu Digital Outreach für die ICOM Tagung Ende letzten Jahres habe ich versucht mir einen Überblick über digitale Angebote von Museen zu verschaffen. Zum Vorschein kamen 360-Grad Touren, Virtuelle Ausstellungen, digitale Sammlungen oder Digitorials. Angebote bei Instagram und Facebook. Heute ergänze ich meine Recherche um weitere Kulturangebote. Konzerte werden live gestreamt oder es gibt Video on Demand, die man jederzeit abrufen kann. Das Angebot ist enorm – nur den Überblick hat niemand. Ich werde hier einige Quellen zusammenzutragen und ergänze vor allem deutschsprachige Angebote, denn im englischsprachigen Raum kann man schon sehr umfassende Sammlungen finden.

Digitale Angebote von Museen

Wie zum Beispiel diese Übersicht von Museum Computer Network, die sich vor allem auf englischsprachige Angebote konzentriert:

Das sicherlich aufwendigste Digitalisierungprojekt ist  Google Arts & Culture mit weit über 1.000 Sammlungen online darunter das MoMa in New York, das Van Gogh Museum in Amsterdam, die Museumsinsel Berlin, Uffizien in Florenz,  das Brooklyn Museum in New York, das Singapore Art Museum und  viele weitere große und kleine Museen. Hier eine Auswahl von Museen, die virtuell bei Google Arts präsent sind:

Museumsinsel Berlin

Belvedere Wien

Schloss Versailles

Uffizien Florenz

Brooklyn Museumh

Brasilianisches Nationalmuseum

Die Übersicht aller Museen, die in diesem Projekt mit Google zusammenarbeiten ist hier zu finden.

Partnermuseen von Google Arts & Culture

Museen bieten überdies eigene digitale Angebote an, indem sie entweder ihre Sammlung online präsentieren, ergänzende Informationen zum Ausstellungsbesuch zur Verfügung stellen oder nutzerorientierte digitale Museumserlebnisse unabhängig von einem Besuch ermöglichen. Die Bandbreite an Möglichkeiten zeigen diese ausgewählten Beispiele:

Anne Frank Haus online

Städel Museum digital

Jüdisches Museum Frankfurt – digitales Museum

Historisches Museum Frankfurt – digitale Angebote

Museum Barberini – Multimedia Website

Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg – Sammlung online

Naturhistorisches Museums Wien

Kunsthistorisches Museum Wien

Es lohnt sich auch im App-Store nachzusehen. Viele Museen bieten Apps, eine Auswahl von 180 Apps ist auf der Website museumsapps.de zu finden.

Interaktionen von Museen über Twitter, Facebook & Instagram

Doch reicht es die Sammlung einfach nur online zu stellen, um Aufmerksamkeit – also Reichweite – zu erzeugen? Nein. Das stellen viele Häuser in diesen Tagen fest und lassen sich unterschiedliche interaktivere Formate einfallen. Denn was die Menschen wollen und das zeigt sich in dieser Zeit mehr denn je, sind soziale Kontakte. Kaum jemand möchte sich eine Führung durch ein Museum im Nachhinein ansehen. Die Menschen wollen, zumal auch virtuell, Aktivitäten in Gemeinschaft erleben. Hier wieder einige ausgewählte Beispiele:

Europäisches Hansemuseum in Lübeck bei Twitter

Es müssen nicht immer die großen und weltweit bekannten Museen sein, Reichweite erzielen auch kleinere Museen. Wie etwa das Europäische Hansemuseum mit seinem sympathischen Rundgang durchs Museum bei Twitter. Dabei lernt man auch die Mitarbeiter*innen kennen, die in Kurzfilmen ihren persönlichen Einblick in das Museum geben. Bei der Anzahl der Aufrufe, kann das Museum, das im Jahr etwa 100.000 Besuche zählt, mit den großen Museen mithalten.

Museum für Kommunikation Frankfurt mit dem Hashtag #neulandAusstellung

Das Museum für Kommunikation in Frankfurt verlegt die Eröffnung der neuen Ausstellung ins Netz und lädt am 25. März 2020 zur Sneak Preview ein. Mitdiskutieren ist unter dem Hashtag #neulandAusstellung gewünscht. Auf der Ausstellungs-Website ist eine Twitterwall eingebunden.

Sneak Preview der Ausstellung #neuland: Ich, wir und die Digitalisierung im Museum Kommunikation Frankfurt

Die Kunsthalle Baden-Baden

Die Kunsthalle Baden-Baden verlegt ihre aktuelle Ausstellung “Körper.Blicke.Macht” über die Kulturgeschichte des Badens ins Digitale. Bei Facebook kündigen die Museumsmacher*innen an:

“Jeden Montag stellen wir Euch eine Episode unseres Audioguides inklusive Videomaterial aus dem dazugehörigen Ausstellungsraum vor. Mittwochs bekommt Ihr einen Einblick in die Ausstellungsteile, die sich außerhalb der Kunsthalle befinden, z.B. im Stadtmuseum oder im Bertholdbad. Freitags zeigen wir Euch, wie wir den digitalen Raum sonst noch so nutzen.”

Eine virtuelle Ausstellungseröffnung fand letztes Jahr bereits einmal statt und wird nun im April wiederholt. Am Mittwoch, 8. April 2020, 19 Uhr wird www.kunsthallerevisited.com offiziell gelauncht und zeigt unter anderem Werke der Künstler*innen Dan Flavin, Emeka Ogboh, Richard Serra, Cindy Sherman und Tobias Rehberger.

An der Digitalen Vernissage teilnehmen kann man über https://zoom.us/j/613821427 sogar die Anleitung wird verlinkt: Zoom_Anleitung. Meldet man sich bis spätestens Mittwoch 1. April 2020 verbindlich unter info@kunsthalle-baden-baden.de an, bekommt man zum Anstoßen eine Flasche Prosecco per Post zugesandt. Durch die virtuelle Vernissage moderiert die in der Museumsszene bekannte Bloggerin Anke von Heyl @kulturtussi

Anke von Heyl macht auf die digitale Vernissage der Kunsthalle Baden-Baden aufmerksam

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt bei Instagram

Auf große Resonanz freuen sich die Instagram-Beiträge der Schirn Kunsthalle in Frankfurt mit derzeit ingesamt 1.440 Beiträgen und über 59.000 Abonnent*innen. So stellt das Museum zum Beispiel 34 Tage lang 34 Künstlerinnen aus der aktuellen Ausstellung vor.

Instagram-Beitrag der Schirn Kunsthalle in Frankfurt zu der Ausstellung Fantastische Frauen

Das Kunstmuseum bietet außerdem auf der eigenen Website Digitorials – das sind bildhafte erzählerische Einblicke zu den Ausstellungen – an. Auch die Facebook-Posts erfreuen sich großer Beliebtheit, so dass man hoffen möchte, dass der Kunstenthusiasmus, der hier versprüht wird auch über die Kunstszene hinaus wirkt.

In den vergangenen Tagen haben immer mehr regionale und überregionale Medien das Thema digitale Kunstangebote aufgenommen. Bitte gerne in den Kommentaren ergänzen. Herzlichen Dank.

Weitere Links

Museumsschließungen. Endlich in Ruhe digitale Archive durchstöbern
Von Katharina Cichosch, Monopol Magazin am 16.03.2020

Museen im Netz – Schlendern und Staunen von zu Hause aus
Hr2-Kultur am 16.03.2020

Mirjam Wenzel die Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt

Museum digital: Kunst und Ausstellungen im Internet
Von Henriette Schreurs am 18.03.2020 im SWR2

Digitales Museum. Tipps der Redaktion
Museumsportal Berlin am 19.03.2020 und laufend aktualisiert

Auf zum virtuellen Museumsbesuch
Von Katharina Cichosch am 20.03.2020 in Spiegel Kultur

So laden geschlossene Museen zu virtuellen Rundgängen ein
Von Claudia Rometsch am 22.03.2020 im Handelsblatt

Digitale Angebote von Museen. Cézanne nach Farben sortiert
Von Birgit Rieger am 23.03.2020 im Tagesspiegel

Museen in der Coronakriese. Nofretete allein zu Haus
Von Monopol/dpa am 23.03.2020

Kultur auf dem Sofa
Das Kulturportal der Stadt Frankfurt am Main bündelt alle digitalen Kulturangebote

Historisches Museum Frankfurt bei Twitter

Konzerte & Theater online

Das Onlinemagazin Nachtkritik veröffentlicht einen Online-Spielplan, in dem auch die täglichen Twitter-Konzerte von Igor Levit nicht fehlen. Hier finden sich Live-Streams der Berliner Philharmoniker, der Wiener Staatsoper oder der Metropolitan Opera in New York.

Tägliche Twitter-Konzerte mit Igor Levit

Die Bayrische Staatsoper hat ihre Konzerte ins Netz verlegt und bietet einen Online-Spielplan und bei der Elbphilharmonie Hamburg können viele Videos abgerufen werden. Die Staatsoper unter den Linden in Berlin hat ein Corona-TV eingerichtet.

Literatur & Lesungen online

Der wohl prominentesten Vorleser derzeit ist der israelische Präsident Reuven Ruvi Rivlin. Er liest Kindern auf Facebook vor und die Videos seiner Lesungen sind auch bei Youtube zu finden.

Der israelische Präsident liest Kindern vor

Im deutschsprachigen Raum tummeln sich die Leseratten zum Beispiel im Literturcafé. Hier findet etwa anlässlich des 250. Geburtstags die Lesung des Romans »Hyperion« von Friedrich Hölderlin statt.

Lesung von Hyperion im Livestream

Literatur fürs Ohr gibt es im Bayrischen Rundfunk auf Bayern 2 schon länger. Jetzt dürften die Live Lesungen, die BR2 App oder die Podcasts gefragt sein.

Auch Büchereien bieten teilweise erweiterte online Angebote an. Die Bücherhallen Hamburg bieten zum Beispiel allen Hamburgerinnen und Hamburgern für sechs Wochen einen kostenlosen Zugang zu ihren digitalen Angeboten an. Hier ist für jeden und jedes Alter etwas dabei. Einen deutschlandweiten Überblick über die Aktivitäten von Bibliotheken gibt es leider nicht. Es gibt aber die Möglichkeit, die lokale Bibliothek über den Wegweiser zu finden und anzusprechen.

In Österreich gibt es die junge Plattform litrobona für moderne österreichische Literatur, die auf verschiedene Online-Services wie Online-Lesungen, Live-Streams oder Webinare aufmerksam macht.

Hashtags bei Twitter

Die Anzahl der digitalen Kulturangebote wird in den kommenden Tagen sicher weiter steigen und bei Twitter werden sie unter folgenden Hashtags gesammelt:

#MuseumFromHome #MuseumMomentofZen #culturedoesnotstop #CalmDownArt #DigitalMuseum #DigAmus #digkv #KulturinZeitenvonCorona #KulturDigital #KulturimNetz #KulturgegenCorona #closedbutopen Diese Liste von MaxWestphal wurde ergänzt von Anja Kirchner-Kannemann und ich ergänze weiter #DigSmus #KulturstattCorona #DigiKV #museumonline #digitaleSammlung #virtualmuseum #onlinetheater #theaterundnetz #streamingspielplan #openculture #digitaloutreach

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